Es war zum Verzweifeln. Alles hatte unsere Patientin versucht, um diesen verflixten Glukosesensor, den sie sich so dringend wünschte, dauerhaft tragen zu können. Aber immer wieder kam ihr ein Organ in die Quere, das insbesondere in der Diabetologie den technischen Fortschritt irgendwie aufhalten möchte: die Haut. Diese so wichtige Barriere der gesunden Abgrenzung gegen eine "feindliche" Umgebung kommt ihrer Aufgabe manchmal dann doch zu gewissenhaft nach. Der Kontakt zur Hotline der Hersteller der Medizinprodukte oder Dermatologen verläuft für die vielen Patienten sehr frustrierend.
Wer in den Patientenforen zu Sensor- oder Pumpentechnologie unterwegs ist, stößt häufig auf verzweifelte Betroffene, die im Netz Unterstützung für dieses gefühlt sehr häufige Problem suchen. Ob es Allergien auf Klebstoffe der Pflaster, Nadeln (Nickel), Schläuche oder Reservoire (Epoxide) sind, ist oft gar nicht so leicht auseinanderzuhalten. Acrylate oder Kolophonium können z. B. Teil von Klebstoffen, Kathetern oder Reservoiren sein. Der Wechsel der verwendeten Stoffe durch die Hersteller wird dem Nutzer in der Regel gar nicht transparent gemacht. Wechsel des Anbieters bringen gelegentlich, aber nicht immer Abhilfe und sind für komplette Systeme unrealistisch.
Findige Patienten entwickeln patentreife Methoden, um Klebstoffe abzurubbeln und die Eintrittsstellen der Nadeln in minutiöser Handarbeit durch ein verträgliches Pflaster zu stechen. Andere "grundieren" die Haut mit Hautschutzcremes, um die Verträglichkeit der Kleber zu steigern. Der Wechsel auf implantierbare Sensoren ist für einzelne Patienten zeitweise die einzige Lösung, hat aber auch seinen Preis. Regelmäßige kleine OPs, gelegentliches "Verschwinden" von Sensoren im Gewebe, sehr häufiges Laden des Transmitters und die bislang fehlende Koppelung an externe Pumpen haben dieser Technologie nach über 10 Jahren am Markt nicht zum Durchbruch verholfen. Sie fristet mit weltweit unter 5 000 Nutzern ein Nischendasein bei unsicherer Zukunft.
Unsere Patientin entschied sich nach einer Phase der Nutzung des implantierbaren Sensors zur Rückkehr zu einem konventionellen CGM-System. Der Trick: Sie hatte von einem Diabetesberater den Tipp bekommen, einen Hydrokolloidverband aus der Wundversorgung unter dem Sensor zu verwenden. Das Material kann passend zugeschnitten werden und das Durchstechen der Nadel beim Setzen klappt problemlos ohne Loch.
Auch für die "Einverleibung" des so wichtigen Hormons Insulin hält die Haut immer wieder Überraschungen bereit. Rechtshänder spritzen mit Vorliebe in den linken Unterbauch, was zu teils grotesken Lipodystrophien führt. 40-60 % der Insulinpflichtigen entwickelt diese Komplikation in unterschiedlicher Ausprägung! Auch Fortgeschrittenen empfehle ich den Link fitterdiabetes.com/de, der die wichtigsten, in 2025 aktualisierten Empfehlungen zur Insulininjektion anschaulich zusammenfasst. Konsequente Nutzung und Wechsel der 4-mm-32G-Nadeln, Meidung auffälliger Hautareale und die Unterweisung in der rotierenden Injektionstechnik kuriert so manchen "nicht einstellbaren" Menschen mit Diabetes. Zu oft glauben wir durch Wechsel auf pfiffigere Insulinsorten Probleme zu lösen, die in Wahrheit an anderer Stelle zu verorten sind. Der einfache Ultraschall von Spritzstellen könnte sich zukünftig zur Routineuntersuchung in diesem Bereich entwickeln.
Die größte Herausforderung für unsere Haut ist die 24/7-Infusion von Insulin durch moderne Katheter. Die DERMIS-Studie (Diabetes Care, 2023) untersuchte dies mit Gewebeproben und Bildgebung an über 1 000 Pumpennutzern. Probleme mit Nadeln (65 %) oder Klebern (55 %) sind an der Tagesordnung, unabhängig von der Laufzeit des Diabetes. Bei 90 % finden sich in der Haut entzündliche eosinophile Zellen als mögliche Ursache des von vielen erlebten "tiefen" Juckreizes. Lipodystrophien können hier entstehen und die Time-in-Range erheblich verändern. Tierexperimentelle Untersuchungen zeigen, dass die entzündlichen Reaktionen 2-4 Tage nach Anlage der Katheter auftreten. Dadurch steigt auch der Flusswiderstand des Insulins. Ein intelligenter Sensor könnte zukünftig die Tragezeit des Katheters individualisieren. Interessierten Lesern sei die Veröffentlichung des Symposiums DERMIS (J Diabetes Sci Technol, 2024) empfohlen, die umfassendste Zusammenstellung des aktuellen Wissens zu diesem Thema weltweit.
Uns allen empfehle ich die regelmäßige, gezielte Untersuchung der Spritzstellen auf Verhärtungen. Hersteller der Medizinprodukte müssen dringend ihr Vertriebspersonal praxisnah schulen und Patienten bei Hautproblemen besser unterstützen – egal ob es um Nadeln, Insulin oder Pflaster geht.
|
|
Erschienen in: Diabetes-Forum, 2026; 38 (3) Seite 5
