Labormessungen sind von zentraler Bedeutung in der Diabetologie, sowohl für eine präzise und richtige Diabetesdiagnose als auch für Therapieentscheidungen. Sie sind auch bei den Begleit- und Folgeerkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen, MASH (metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis) und kardiorenalen Komplikationen von großer Bedeutung: "Diabetologie lebt vom Labor".
Einleitung
In Anbetracht der Bedeutung einer zuverlässigen Messung von klinisch-chemischen Parametern wie Glukose, HbA1c, Insulin, C-Peptid, Antikörpern etc. erfolgte auf Anregung und Unterstützung des Vorstands der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) im Jahr 2015 die Gründung der Kommission Labordiagnostik in der Diabetologie der DDG & DGKL (KLD), die sich vorrangig um methodische Aspekte bei der Messung dieser Parameter kümmert. Vorher hatte sich eine ad-hoc-Arbeitsgruppe der DDG mit methodischen Aspekten der HbA1c-Messung beschäftigt [Heinemann 2015d, Heinemann 2015e, Kerner 2015]. Das Besondere dieser Kommission ist, dass diese paritätisch mit Mitgliedern der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) besetzt ist.
Neben der Bewertung messtechnischer Aspekte diabetes-relevanter Laborparameter, einschließlich deren Qualitätskontrolle (auch im Rahmen der Richtlinie der Bundesärztekammer, Rili-BÄK), ist eine zentrale Aufgabe der KLD die Erstellung und jährliche Aktualisierung einer evidenzbasierten Praxisempfehlung (PE) zur Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus. Weitere Aufgabenfelder sind die Organisation von Fortbildungen zum Thema Labordiagnostik, die Beantwortung von Anfragen von Kollegen sowie die Kommunikation mit anderen Organisationen. Diese Aufgaben stehen auch im Zusammenhang mit der zunehmenden Nutzung von diagnostischen Medizinprodukten, insbesondere von Systemen für das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM).
Im Folgenden wird in Kürze strukturiert dargestellt, mit welchen Themen sich die KLD in den letzten zehn Jahren beschäftigt hat und was die weiteren Aufgaben und Ziele sind.
Publikationen
In den letzten zehn Jahren (Stand 07.04.2026) hat die KLD insgesamt 74 Manuskripte publiziert, primär auf Deutsch auf den Seiten der KLD in der Zeitschrift Diabetes, Stoffwechsel und Herz (hier besteht eine Kooperation), aber auch in englischsprachigen internationalen Fachzeitschriften. Thematisch beschäftigen sich die meisten Publikationen (neben den 16 im Zusammenhang mit den Praxisempfehlungen) mit Aspekten der Messqualität (n = 23), HbA1c-Messung (n = 9), CGM (n = 8), Teströhrchen (n = 4) und verschiedenen Themen (n = 14). PDF-Dateien dieser Publikationen sind im internen Mitglieder-Bereich der DDG-Homepage hinterlegt (www.ddg.info/die-ddg/kommissionen/labordiagnostik-in-der-diabetologie-der-ddg-dgkl). Eine aktuelle Auflistung der Publikationen ist dort auf der KLD-Seite öffentlich zugänglich.
- - Herr Prof. Dr. Lutz Heinemann
- - Herr Dr. Guido Freckmann
- - Herr Prof. Dr. Matthias Nauck
- - Herr PD Dr. Benjamin Dieplinger
- - Herr Prof. Dr. Arnold von Eckardstein
- - Frau PD Dr. Nele Friedrich
- - Frau Dr. Patricia Kaiser
- - Herr Prof. Dr. Rüdiger Landgraf
- - Herr Prof. Dr. Peter Luppa
- - Herr Prof. Dr. Ullrich-Alfons Müller
- - Herr Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland
- - Herr Dr. Christoph Niederau
- - Frau Prof. Dr. Astrid Petersmann
- - Herr Dr. Stefan Pleus
- - Herr Prof. Dr. Erwin Schleicher
- - Herr Dipl.-med. Toralf Schwarz
- - Frau Dr. Andrea Tytko
- - Herr Dr. Christoph Werner
Ehemalige Mitglieder
- - Herr Dr. Dennis Grote-Koska
- - Herr Prof. Dr. Berend Isermann
- - Herr Prof. Dr. Wolfgang Kerner
- - Frau Lieselotte Lennartz
- - Herr Dr. Karl-Heinz Pick
- - Herr Dr. Johannes Roth
- - Herr Prof. Dr. Morten Schütt
- - Herr Prof. Dr. Henri Wallaschofski
- - Herr Dr. Ludig Merker
- - Herr Dr. Sascha Wettmarshausen, VDGH
Organisatorische Aspekte
Die Mitglieder der KLD setzen sich paritätisch aus Mitgliedern der DDG sowie der DGKL zusammen. Die geplante Einbindung von Kollegen aus der Schweiz und Österreich war leider nur mäßig erfolgreich. Seit zehn Jahren trifft sich die KLD regelmäßig zwei- bis dreimal pro Jahr zu Sitzungen oder Videokonferenzen, um anstehende Aktivitäten und Themen zu besprechen und zu organisieren. Die meisten Gründungsmitglieder sind heute noch in der KLD aktiv tätig. Allgemeine Informationen zur KLD stehen auf der DDG-Homepage. In den Sitzungen der KLD (Dauer in der Regel je 2 – 3 Stunden) werden aktuelle Themen und Projekte detailliert diskutiert und entsprechende Beschlüsse protokolliert. Diese Protokolle stellen die Basis für die Arbeit der KLD dar. Die Mitarbeit der Mitglieder in der KLD erfolgt ehrenamtlich, transparent und unabhängig. Dabei gibt es aber eine Zusammenarbeit mit den Herstellern entsprechender Produkte, sei es direkt oder z. B. mit dem Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) und dem Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH).
AID: automatisierte Insulindosierung
AK: Antikörper
CGM: kontinuierliches Glukosemonitoring
CKM: kontinuierliches Monitoring von Ketonkörpern
DDG: Deutsche Diabetes Gesellschaft
DGKL: Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
GDM: Gestationsdiabetes
HbA1c: glykiertes Hämoglobin
KLD: Kommission für Labordiagnostik in der Diabetologie
MD: Minimal Difference (kleinste Differenz)
MmD: Menschen mit Diabetes
oGTT: oraler Glukosetoleranztest
PE: Praxisempfehlung
POCT: Point-of-Care-Testing
Rili-BÄK: Richtlinie der Bundesärztekammer
Praxisempfehlungen zur Diabetesdiagnose
Ausgangssituation
Ziel der jährlich aktualisierten PE ist die Darstellung der Grundlagen für die Diabetesdiagnose, der anzuwendenden Diagnosekriterien, diagnostischen Besonderheiten zur Differenzialdiagnose des Diabetes etc. Erstaunlich war für die Kommission, wie lax national und international in der Vergangenheit in vielen Fällen mit den Labormesswerten umgegangen wurde [Landgraf 2018a, Landgraf 2018b].
Aktivitäten
Bei dem jährlichen Update der PE ist das Bestreben, der wissenschaftlichen Weiterentwicklung Rechnung zu tragen [Müller-Wieland 2016, Nauck 2017, Nauck 2018, Petersmann 2019, Petersmann 2020, Nauck 2021, Schleicher 2022a, Landgraf 2023, Pleus 2024a, Schwarz 2025]. Ferner erfolgt in Abstimmung mit dem DDG-Vorstand eine Abstimmung mit anderen Arbeitsgemeinschaften der DDG, die ebenfalls jährlich aktualisierte PEs erstellen.
Innerhalb der KLD haben sich in einem rotierenden Verfahren unterschiedliche Mitglieder der KLD federführend um die Überarbeitungen der PE gekümmert. Es gilt selbstkritisch anzumerken, dass die Anzahl von Druckseiten der PE (erstmals im Jahr 2016 veröffentlicht) über die Jahre hinweg deutlich zugenommen hat (von 3 Seiten in 2016 auf 11 Seiten in 2024), was die Nutzbarkeit der PE in der Praxis beeinträchtigt. Durch eine aktuell erfolgte Unterteilung der PE in eine Kurz- und Langdarstellung der relevanten Themen werden einerseits praktische Aspekte in Kürze, aber auch grundlegende wie weiterführende Aspekte detaillierter dargestellt.
Interessant ist, dass die englischsprachigen Publikationen der PE, die alle zwei Jahre erfolgen(üblicherweise in einer englischsprachigen Zeitschrift der DDG, aber auch in einem Laborjournal), häufig in der internationalen Literatur zitiert werden[Petersmann 2018a, Petersmann 2018b, Schleicher 2022b, Pleus 2024b]. Neben den "Standards of Care" der Amerikanischen Diabetesgesellschaft(American Diabetes Association, ADA) gibt es anscheinend wenige vergleichbare Publikationen zur Diabetesdiagnose. Die detaillierte und jährlich aktualisierte Betrachtung der diversen Aspekte in diesem Zusammenhang deckt offensichtlich einen notwendigen Bedarf ab.
Die KLD hat sich im Zusammenhang mit dem für die Diabetesdiagnose vielfach verwendeten oralen Glukosetoleranztest (oGTT) eingehend mit dem Thema der dabei verwendeten Glukoselösungen beschäftigt und in Zusammenarbeit mit der Kommission "Apotheker in der Diabetologie" der DDG Vorgaben dafür erarbeitet und publiziert [Heinemann 2022, Krüger 2023, Krüger 2024].
Nächste Schritte
Die KLD sieht den Bedarf einer Harmonisierung bei den Diagnosekriterien in Abstimmung mit internationalen Organisationen (wie der International Diabetes Federation [IDF], Weltgesundheitsorganisation [WHO], ADA etc.), auch bei den Kriterien für die Diagnose eines Gestationsdiabetes (GDM) (s. u.).
In welchem Ausmaß die Verwendung des 1-Stunden-Glukosewertes beim oGTT im Vergleich zu dem Wert nach zwei Stunden in Zukunft mehr diagnostische Bedeutung gewinnen, vielleicht sogar Standard werden wird, ist Gegenstand der aktuellen Diskussion. Im gleichen Sinne ist noch nicht abzusehen, ob und in welchem Umfang in Zukunft CGM für die Diabetesdiagnose eingesetzt werden wird. Ein erhebliches Problem in diesem Zusammenhang stellt die fehlende Standardisierung der CGM-Systeme dar. Deren Messgüte differiert zwischen den Systemen der verschiedenen Hersteller in einem solchen Ausmaß, dass die Zuverlässigkeit für eine Diagnose unzureichend ist [Freckmann 2022a, Freckmann 2023, Freckmann 2025, Pleus 2026].
Qualitätskontrolle
Ausgangssituation
Die Rolle der DDG und ihrer Organe ist in erster Linie, zur Prävention und zu einer Verbesserung der medizinischen Betreuung von Menschen mit Diabetes (MmD) beizutragen. Dazu zählt bei MmD auch das zuverlässige Monitoring der aktuellen und der langfristigen Güte der Glukosekontrolle.
Aktivitäten
Die KLD hat sich bei ihrer Arbeit wesentlich um eine Verbesserung der messtechnischen Rahmenbedingungen bei der Glukose- und HbA1c-Messung gekümmert (s. u.). Dabei haben die Publikationen der KLD substanziell zu einer Verschärfung der Vorgaben für die Bestehensgrenzen bei der internen und externen Qualitätskontrolle in der Rili-BÄK bei der HbA1c- (Rili-BÄK 2019) und der Glukosemessung (Rili-BÄK 2023) beigetragen [BÄK 2023]. Evaluierungen haben gezeigt, dass die Verschärfung der Vorgaben bei den Ringversuchen nur in einem überschaubaren Ausmaß zu Änderungen bei den Bestehensraten in den Ringversuchen bei diesen beiden Parametern geführt hat [Kaiser 2022, Kaiser 2023]. In diesem Zusammenhang wurden erstmalig auch konkrete Vorgaben für die Präanalytik, z. B. bei Glukose, in die Rili-BÄK aufgenommen [Heinemann 2023a, Nauck 2025]. Diese Anpassungen bei den beiden wichtigsten Messparametern in der Diabetologie an den aktuellen Stand der medizinischen Notwendigkeiten und Möglichkeiten stellen für die Hersteller mancher Messsysteme auf dem Markt eine Herausforderung dar, insbesondere bei Systemen, die patientennah eingesetzt werden (POCT-Systeme [Point-of-Care-Testing]).
Nächste Schritte
Angestrebt wird eine weitere Verbesserung der Messgüte, gerade bei der Glukosemessung [Pleus 2025]. Die Messqualität gewinnt an klinischer Bedeutung, da diese blutigen Glukosebestimmungen aktuell den praktikabelsten Weg darstellen, um die Qualität der CGM-Systeme pro Messgerät zu überwachen. Auffallend ist, wie wenige Glukosemesssysteme für die Diabetesdiagnose zugelassen sind, insbesondere im Krankenhaus [Schwarz 2025, Reger-Tan 2026a]. Die Verbreitung dieser allgemeinen Qualitätsstandards auch auf andere Berufsgruppen, die ebenfalls entsprechende diagnostische Maßnahmen durchführen, z. B. in der Gynäkologie bei der GDM-Diagnose, ist extrem selten [Neumaier 2015a, Neumaier 2015b]. Eine verbesserte Überwachung/Kontrolle der Messgüte in Diabetes-Schwerpunktpraxen durch systematische Teilnahme aller Schwerpunktpraxen an Ringversuchen sollte umgesetzt werden.
HbA1c
Ausgangssituation
Es gab die eindeutige Forderung nach einer Verbesserung der Qualitätsstandards bei der HbA1c-Messung [Heinemann 2018, Nauck 2023].
Aktivitäten
Unter anderem basierend auf den zitierten Publikationen ist es zu einer deutlichen Verschärfung der Bestehensgrenzen bei der internen und externen Qualitätskontrolle in der Rili-BÄK gekommen. Eine Anfrage zur Stabilität des HbA1c in Blutproben, die unter suboptimalen Bedingungen gelagert und transportiert wurden, führte zu einer Publikation der fehlenden Relevanz einer "Nachglykierung" des HbA1c dabei [Schleicher 2025c]. Die KLD hat in ihren PE auf die Altersabhängigkeit der HbA1c-Werte hingewiesen, d. h. den physiologischen Anstieg dieser Messwerte mit dem Lebensalter, der keiner therapeutischen Intervention bedarf.
Nächste Schritte
Die Nutzung von HbA1c als eine relativ einfach zu messende Messgröße für die Diabetesdiagnose im Krankenhaus erfolgt noch nicht ausreichend systematisch und strukturiert [Landgraf 2021, Schleicher 2023].
Präanalytik/Teströhrchen
Ausgangssituation
Durch Verwendung von ungeeigneten Teströhrchen und Probenmaterialien wie Serum – insbesondere bei der Glukosemessung – besteht die erhebliche Gefahr von falsch-niedrigen Messergebnissen durch ex-vivo-Glykolyse, was sowohl bei der Diabetesdiagnose als auch generell ein Problem darstellt, da bei falsch-niedrigen Glukosewerten eine inadäquate Therapie die Folge ist [Heinemann 2020a].
Aktivitäten
Ein Vorteil der POCT-Systeme ist die sofortige Verfügbarkeit der Laborergebnisse für die Betreuung der Menschen mit Diabetes, dabei muss die Qualität der POCT-Messungen richtig und präzise erfolgen. In einer Reihe von Publikationen hat die KLD auf die Bedeutung der Verwendung der "richtigen" Teströhrchen, insbesondere bei der Glukosemessung, und auf eine optimale Handhabung der Präanalytik hingewiesen [Heinemann 2015b, Kleinwechter 2015, Petersmann 2022, Heinemann 2023c, Petersmann 2023, Nauck 2024, Nauck 2025]. Dies hat intensive Diskussionen mit anderen Labor-Organisationen induziert, die aus ökonomischen Gründen vielfach immer noch keine Blutentnahmeröhrchen zur Glukosestabilisierung mit Fluorid plus Citrat ausgeben. Auch auf die Problematik der Verwendung von unterschiedlichen Farbkodierungen bei den Teströhrchen wurde in einer Publikation der KLD gezielt hingewiesen [Heinemann 2025a].
Nächste Schritte
Es ist weiterhin erforderlich für eine flächendeckende Umsetzung der Verwendung geeigneter Teströhrchen im praktischen Einsatz einzutreten.
Glukose (inklusive CGM)
Ausgangssituation
Zu Beginn der Arbeit der KLD waren insbesondere Themen zur richtigen Blutglukoseselbstmessung von Relevanz [Heinemann 2016, Pleus 2022a].
Aktivitäten
Mit einer Reihe von Publikationen zur Bedeutung einer Optimierung der Glukosemessung für eine zuverlässige Diabetesdiagnose und Diabetestherapie hat die KLD versucht zu einer sinnvollen Verschärfung der Bestehensgrenzen bei der internen und externen Qualitätskontrolle der Rili-BÄK beizutragen [Freckmann 2022b, Pleus 2022b]. Eine Verbesserung der Messgüte von Glukose im niedergelassenen Bereich – in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Institut der niedergelassenen Diabetologen (winDiab) – wurde durch eine Befragung von Diabetes-Schwerpunktpraxen angestrebt [Kaltheuner 2024a, Kaltheuner 2024b]. Die Bedeutung der Güte der Glukosemessung im niedergelassenen Bereich wurde auch durch eine Strukturbefragung evaluiert [Schwarz 2023, Heinemann 2024].
Die Unit-Use-Geräte (Einmal-Reagenzien) brauchen nach der Rili-BÄK keine externe Qualitätskontrolle, intern müssen sie den Vorgaben des Herstellers folgen. Im Zusammenhang mit der zunehmenden Nutzung von CGM-Systemen, die heute bei MmD mit einem Typ-1-Diabetes als Standard zu betrachten sind und die Blutglukosemessung weitgehend verdrängt haben, hat die KLD eine Reihe von Aspekten diskutiert [Heinemann 2015a, Heinemann 2015c, Freckmann 2016, AGDT 2016, Freckmann 2017a, Freckmann 2017b, Pleus 2018].
Nächste Schritte
Der Einsatz von CGM im Krankenhaus stellt aus regulatorischer Sicht (= Fehlen einer Qualitätskontrolle) ein Problem dar [Reger-Tan 2026b]. Bedingt durch den häufigen Einsatz von CGM-Systemen gibt es aber einen dringenden Bedarf an einem pragmatischen Vorgehen [Freckmann 2019, Heinemann 2019, Freckmann 2024].
Verwendung einheitlicher Maßeinheiten
Ausgangssituation
Ziel ist die Verwendung einheitlicher Maßeinheiten bei der Angabe der Messergebnisse bei der HbA1c- und Glukosemessung überall in Deutschland [Heinemann 2020b].
Aktivitäten
Es gibt eine Arbeitsgruppe der DGKL, die sich um die Verwendung von einheitlichen Maßeinheiten kümmert [Junker 2026].
Nächste Schritte
Im Zusammenhang mit einer weiteren Aktualisierung der Rili-BÄK wird die Nutzung von einheitlichen Maßeinheiten erfolgen.
Insulin/C-Peptid
Ausgangssituation
Die Messung von Serum-Insulinkonzentrationen und insbesondere von C-Peptid wird zur Abschätzung der Betazell-Insulinreserve und der peripheren Insulinresistenz klinisch immer wichtiger. Die Ergebnisse von Ringversuchen im Zusammenhang mit den Vorgaben der Rili-BÄK weisen auf eine schlechte Vergleichbarkeit bei Verwendung der Assays unterschiedlicher Hersteller hin.
Aktivitäten
Um diese unbefriedigende Situation zu verbessern, wird von der KLD in aktuellen Publikationen eine Umsetzung der Standardisierung, z. B. bei der C-Peptid-Messung, gefordert [Schleicher 2025a, Müller-Wieland 2026].
Nächste Schritte
Die KLD wird weiter für die Umsetzung der Standardisierung bei der C-Peptid-Messung eintreten.
Antikörper und weitere Messgrößen
Ausgangssituation
Antikörpermessungen sind für die Differenzialdiagnose der verschiedenen Diabetestypen von großer klinischer Relevanz. Dabei spielt auch die Höhe der Antikörper (AK)-Titer eine wichtige Rolle.
Aktivitäten
Der aktuelle Stand bei der Analytik von Antikörpern und deren klinischen Anwendung wurde von Mitgliedern der KLD publiziert [Thaler 2022].
Nächste Schritte
Die Verwendung gut standardisierter AK-Testsysteme soll vorangetrieben werden.
Messung von Ketonkörpern
Auf die Bedeutung der blutigen Messung von Ketonkörpern für den klinischen Einsatz wird in der aktuellen Version der Praxisempfehlung der KLD hingewiesen, auch in Bezug auf eine Kostenerstattung durch die Kostenträger [Landgraf 2025]. In Zukunft wird es Systeme zum kontinuierlichen Monitoring von Ketonkörpern (CKM) geben, auch in Kombination mit CGM [Heinemann 2023b].
Fortbildung
Ausgangssituation
Das Know-how und Interesse vieler Akteure in der Diabetologie an "Laborthemen" erscheint eher moderat.
Aktivitäten
Die KLD hat zu einer Verbesserung der Situation, z. B. bei den Jahrestagungen der DDG, regelmäßig Symposien, Vorträge und Workshops zu aktuellen Themen organisiert. Dies geschah sowohl, um über ihre eigene Arbeit zu berichten und diese kritisch zu diskutieren, als auch um diese bekannter zu machen. Durch die Organisation von Workshops bei den Tagungen sollen praktische Aspekte bei den verschiedenen Labormessgrößen adressiert werden; auch im Sinne einer besseren Kommunikation mit dem jeweiligen Zentrallabor.
Nächste Schritte
Es wird ein deutlicher Bedarf an mehr Fortbildung gesehen, insbesondere zu präanalytischen und analytischen Fehlerquellen sowie deren Vermeidung. Dazu soll die Zusammenarbeit mit dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) verstärkt und systematisiert werden. Es gibt ein Fortbildungskonzept, welches aber noch einer konkreten Umsetzung harrt. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang die geringe Aktivität der Hersteller entsprechender Produkte.
Minimal Difference
Ausgangssituation
Jede Labormethode hat eine Schwankungsbreite bei den Messergebnissen, die der Einsender von Probenmaterial meist nicht kennt und die von Labor zu Labor und von Analyt zu Analyt unterschiedlich ist.
Aktivitäten
Um eine bessere Darstellung der Messgüte bei klinisch-chemischen Parametern aus klinischer Sicht zu erreichen, bietet sich die Minimal Difference (MD) an [Keutmann 2020]. Die MD gibt die kleinste Differenz zweier Werte an, die sich aus analytischer Sicht signifikant unterscheiden, und wird in der Einheit der Messgröße angegeben, im Gegensatz zum Variationskoeffizienten, der in Prozent ausgedrückt wird. Die MD gibt also in absoluten Werten an, ab welcher Konzentration sich ein Messwert mit einem Vertrauensbereich von 95 % von einem Grenzwert unterscheidet.
Nächste Schritte:
Durch eine gezielte Kommunikationsstrategie zwischen Labormedizinern und Diabetesteams soll auf lokaler und regionaler Ebene erreicht werden, dass die MD im Praxisalltag mehr an Bedeutung gewinnt, insbesondere um das Risiko von Fehlern bei der Diabetesdiagnose zu minimieren.
Anfragen und Mitarbeit bei anderen Organisationen
Ausgangssituation
Über die Jahre hinweg haben eine Reihe von Anfragen die KLD über die Geschäftsstelle der DDG oder direkt erreicht.
Aktivitäten
Es wurden schätzungsweise 50 Anfragen, primär von ärztlichen Kollegen, beantwortet. Mitglieder der KLD haben auch bei anderen Aktivitäten mitgearbeitet, die in den Aufgabenbereich der KLD fallen, z. B. bei der Neuregelung der European In Vitro Diagnostic Regulation (IVDR) [Blödt 2020].
Nächste Schritte
Da die Anfragen vielfach Themen zum Inhalt hatten, die allgemein von Interesse sind, sollten diese in anonymisierter Form öffentlich auf den KLD-Seiten auf der DDG-Homepage zugänglich gemacht werden.
Ausblick und zukünftige Aufgaben
Die meisten Gründungsmitglieder der KLD sind heute noch aktiv dabei. Auch in Anbetracht der anstehenden Aufgaben ist eine gewisse "Verjüngung" der Kommission durch aktuell klinisch tätige Kollegen erstrebenswert, auch und insbesondere aus dem niedergelassenen Bereich und der Klinik. Dabei ist eine zusätzliche ehrenamtliche Arbeitsbelastung für viele Kollegen nicht einfach zu realisieren.
Soweit dies nicht schon bei den bereits angesprochenen Themen geschehen ist, gibt es eine Reihe von weiteren Themen und Aufgaben für die KLD in der Zukunft:
- Positionierung bei der Rolle und Nutzung von künstlicher Intelligenz/Digitalisierung im Bereich der Laboratoriumsmedizin
- eigenständige Messung von Labormessgrößen durch die MmD (Direct-to-Consumer-Testung, DTCT) [Jacobsen 2025, Heinemann 2025b]
- Vereinheitlichung der Einheiten bei Glukose und HbA1c, auch vor der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA)/elektronischen Diabetes-Akte (eDA)
- HOMA/C-Peptid-Standardisierung
- klinische Bewertung und Nutzung weiterer Labormessgrößen
- Grenzwerte/Werteverteilung
- mehr Aktivitäten bei der Fortbildung zu Laborthemen
- Weiterentwicklung der KLD durch Involvierung von jüngeren Kollegen, auch aus angrenzenden Fachdisziplinen wie Nephrologie und Kardiologie
- bessere "Vermarktung" der klinisch relevanten Ergebnisse der KLD
Zusammenfassung
Durch die aktive Arbeit der KLD in den letzten zehn Jahren wurden wichtige Impulse bei einer Vielzahl von Themen gesetzt und Veränderungen z. B. bei der Rili-BÄK erfolgreich begleitet. Nach eigener Einschätzung ist die KLD eine aktive Kommission der DDG. Die hier erfolgte Zusammenarbeit von zwei Fachgesellschaften (DDG und DGKL) war ausgesprochen erfolgreich.
|
|
Erschienen in: Diabetes, Stoffwechsel und Herz, 2026; 35 (4) Seite 224-230
