Obwohl die diabetische sensomotorische Polyneuropathie (DSPN) weltweit etwa ein Drittel aller Menschen mit Diabetes betrifft und erhebliche nachteilige Auswirkungen auf Morbidität, Mortalitätsrisiko und Lebensqualität hat, vor allem aufgrund von Fußulzera und neuropathischen Schmerzen, wird die Erkrankung in der klinischen Praxis nach wie vor häufig unterdiagnostiziert, unterbehandelt und nicht selten verharmlost [Pop-Busui 2017, Ziegler 2018, Ziegler 2020, Ziegler 2022b, Tesfaye 2023].

Zusammenfassung


Einleitung: Podologen sind wichtige Mitglieder des multidisziplinären Fußversorgungsteams, über ihre Zusammenarbeit mit Ärzten ist jedoch wenig bekannt. Ziel des vorliegenden Online-Surveys war es daher, den Status der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Podologen und Ärzten bei diabetischer sensomotorischer Polyneuropathie (DSPN) einschließlich der Präferenzen der Podologen für Service-Materialien zu erfassen. Methodik: Diese Umfrage im Rahmen der Nationalen Aufklärungsinitiative (NAI) über DSPN umfasste 114 Podologen aus 12 Bundesländern, die einen Online-Fragebogen mit 13 Fragen zur Zusammenarbeit zwischen Podologen und Ärzten bei DSPN und zu Präferenzen für Aufklärungsmaterialien beantworteten. Ergebnisse: Eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit den zuweisenden Ärzten mittels Schulung der Ärzte über die Wichtigkeit der podologischen Leistungen und der Erstattungsfähigkeit wurde von 95 % der Befragten gewünscht. Die Übermittlung der Befunde bezüglich DSPN an den behandelnden Arzt erfolgte in 57 % d. F. durch die Patienten selbst, während in 17 % d. F. Befunde zur DSPN nicht kommuniziert wurden. Das Angebot an Service-Materialien auf der NAI-Website wurde von 14 % der Befragten genutzt. Aufklärungsmaterial über die DSPN für Patienten wurde von 90 % der Befragten gewünscht. Schlussfolgerung: Die interdisziplinäre Kooperation von Podologen und Ärzten einschließlich Wertschätzung der podologischen Tätigkeit ist angesichts der hohen Krankheitslast und Kosten für Menschen mit diabetischem Fußsyndrom (DFS) dringend verbesserungswürdig.

Schlüsselwörter
Podologe, Podologie, diabetische Polyneuropathie, diabetischer Fuß, Fußpflege

Evaluation of the collaboration between podiatrists and physicians in diabetic polyneuropathy (PROTECT study, Survey 3)

Summary


Background: Podiatrists are important members of the multidisciplinary foot care team, but little is known about their collaboration with physicians. The aim of this online survey was therefore to assess the state of the interdisciplinary collaboration between podiatrists and physicians in diabetic sensorimotor polyneuropathy (DSPN) including podiatrists’ preferences for service materials. Methods: This survey, conducted as part of the National Awareness Initiative (NAI) on DSPN, included 114 podiatrists from 12 federal states who answered an online questionnaire with 13 questions on the collaboration between podiatrists and physicians in DSPN and on preferences for educational materials. Results: 95 % of respondents desired to improve cooperation with referring physicians by educating physicians about the importance of podiatric services and their eligibility for reimbursement. In 57 % of the cases the findings on DSPN were communicated to the treating physician by the patients themselves, while in 17 % of the cases DSPN findings were not conveyed. The service materials offered on the NAI website were used by 14 % of respondents. Educational materials about DSPN for patients were desired by 90 % of respondents. Conclusion: In view of the high disease burden and costs for people with diabetic foot syndrome, there is an urgent need to improve the interdisciplinary collaboration between podiatrists and physicians, including appreciation of podiatric occupation.

Key words
podiatrist, podiatry, diabetic polyneuropathy, diabetic foot, foot care

Einleitung

Diabetische Fußulzera, deren Inzidenz etwa 18,6 Millionen Personen pro Jahr beträgt, gehen 80 % der Amputationen an den unteren Extremitäten bei Menschen mit Diabetes voraus und sind mit einer ungünstigen Prognose assoziiert [Armstrong 2023]. Die Fünfjahres-Mortalität bei Menschen mit diabetischem Fuß liegt im Durchschnitt bei etwa 30 % und übersteigt 70 % bei Menschen mit einer Major-Amputation. Die Sterblichkeitsrate bei Personen mit diabetischen Fußulzera beträgt 231 Todesfälle pro 1000 Personenjahre, verglichen mit 182 Todesfällen pro 1000 Personenjahre bei Menschen mit Diabetes ohne Fußulzera. In Deutschland werden immer noch über 40 000 Amputationen pro Jahr bei Diabetespatienten vorgenommen, die durch entsprechende Versorgungsstrukturen z. T. vermeidbar wären [Lobmann 2017]. Eine strukturierte multidisziplinäre Versorgung, vorzugsweise bestehend aus Podologen, Infektiologen und Gefäßchirurgen in enger Zusammenarbeit mit Hausärzten und Diabetologen, war im Vergleich zur Standardversorgung mit einer geringeren Rate an Major-Amputationen verbunden (3,2 % gegenüber 4,4 %; Odds Ratio 0,40; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,32 – 0,51) [Armstrong 2023].

Podologen sind von Fachgesellschaften als wichtiges Segment der integrierten Fußversorgung bei Diabetes anerkannt [Lobmann 2017, Armstrong 2023, Pallin 2023, Bus 2024]. Jedoch werden sie bei der Ausübung ihrer Aufgaben offenbar nicht hinreichend von Ärzten unterstützt [Pallin 2023]. So ergab eine Umfrage unter Podologen aus Irland als Herausforderungen bei der integrierten Fußversorgung bei Diabetes eine geringe Wahrnehmung der Rolle der Podologie, sowie eine unzureichende Anzahl von Podologen zur Bedarfsdeckung [Pallin 2023]. Gleichermaßen deutet eine Umfrage unter britischen Ärzten auf eine mangelnde Wertschätzung der Rolle von Podologen und ein mangelndes Verständnis für die Notwendigkeit eines multidisziplinären Ansatzes hin [Pankhurst 2018]. Allerdings unterscheiden sich die Qualifikation und der Aufgabenbereich der "Podiatrists" in Großbritannien deutlich von denen der Podologen in Deutschland. So durchlaufen die "Podiatrists" ein akademisches Studium (Bachelor of Science) und gelten als registrierte "Allied Health Professionals". Somit sind sie befugt, eigenständig Diagnosen von Erkrankungen des Fußes und Sprunggelenks zu stellen, kleinere Operationen durchzuführen und Medikamente zu verschreiben. Hingegen gilt die Podologie in Deutschland als nichtärztlicher Heilberuf mit Fokus auf der medizinischen Fußpflege, mit Tätigkeiten in der Regel ohne eigenständige Diagnosestellung und aufgrund ärztlicher Verordnung.

Im Survey 2 im Rahmen der Nationalen Aufklärungsinitiative (NAI) zur diabetischen Neuropathie berichteten wir, dass Podologen eine wichtige Rolle nicht nur bei der Behandlung des diabetischen Fußes, sondern auch bei der Erkennung einer zuvor nicht diagnostizierten DSPN und deren Monitoring spielen [Ziegler 2024]. Auf der Website der NAI (www.nai-diabetische-neuropathie.de) werden neben Patienteninformationen vielfältige Service-Materialien wie ein klinischer Untersuchungsbogen für die DSPN oder ein Befundbogen zum Fuß-Check für die podologische Praxis angeboten. Ziel des vorliegenden Online-Surveys war es, den Status der interdisziplinären Zusammenarbeit bei DSPN zwischen Podologen und Ärzten einschließlich der Nutzung von Service-Materialien im Jahr 2024/2025 zu erfassen und ggf. Defizite zu erkennen und zu deren Verbesserung beizutragen.

Abkürzungen
DFS: diabetisches Fußsyndrom
DSPN: diabetische sensomotorische Polyneuropathie
GKV: gesetzliche Krankenversicherung
NAI: Nationale Aufklärungsinitiative

Methodik

Die NAI "Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?" (PROTECT-Studie) hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lücken in der Früherkennung der diabetischen Neuropathie zu schließen und mittels Real-World-Daten neue Erkenntnisse über die Erkrankung zu gewinnen mit dem Ziel, die Vorsorge und frühzeitige Behandlung zu fördern [Ziegler 2015, Ziegler 2018, Ziegler 2020, Ziegler 2022a, Ziegler 2024]. Die vorliegende Umfrage wurde mittels eines selbst auszufüllenden Online-Fragebogens vom 15. Dezember 2024 bis zum 22. Januar 2025 durchgeführt. Dabei kamen halboffene Multiple-Choice-Fragen (Einzel- und Mehrfachauswahl) mit einem Kommentarfeld zum Einsatz. Ein Expertengremium bestehend aus fünf Diabetologen, einem Neurologen und einer Podologin entwickelte den Fragebogen, welcher über die vier verfügbaren Podologie-Netzwerke, die 4800 Podologen in Deutschland vertreten, verteilt worden war. Insgesamt 114 Podologen aktivierten den bereitgestellten Umfragelink, entsprechend einer Rücklaufquote von 2,4 %.

Der Fragebogen bestand aus vier Teilbereichen und umfasste 13 inhaltliche Fragen, von denen sich drei auf die Zusammenarbeit mit den überweisenden Ärzten, zwei auf die Übermittlung neuropathischer Befunde an den Arzt, vier auf die Service-Materialien der NAI-Website und weitere vier auf die Wünsche der Podologen hinsichtlich neuer Aufklärungsmaterialien für ihre Patienten bezogen.

Als Aufwandsentschädigung für die investierte Zeit (ca. 6 Minuten) wurde unter den teilnehmenden Podologen eine kleine Verlosung mit einer begrenzten Anzahl von Instrumenten zur Neuropathie-Untersuchung durchgeführt (3 Rydel-Seiffer-Stimmgabeln und 2 Tip-Therm®-Geräte). Am Ende der Umfrage wurden die Befragten gebeten anzugeben, ob sie an der Verlosung teilnehmen möchten. Wenn sie zustimmten, wurden ihre Kontaktdaten abgefragt, wobei es jedem Befragten freigestellt war, die Umfrage auch vollständig anonym auszufüllen. Die statistische Analyse umfasste deskriptive Statistiken einschließlich kategorialer Daten mit absoluten oder relativen Häufigkeiten.

Ergebnisse

Von den teilnehmenden Podologenpraxen (n = 114) befanden sich 30 in Baden-Württemberg (28,5 %), 29 in Hessen (27,5 %), jeweils 13 in Niedersachsen (12,4 %) und Thüringen (12,4 %), fünf in Brandenburg (4,7 %), vier in Berlin (3,8 %), jeweils drei im Saarland (2,9 %) und in Mecklenburg-Vorpommern (2,9 %), zwei in Bayern (1,9 %) sowie jeweils eine in Bremen (1 %), Nordrhein-Westfalen (1 %) und Rheinland-Pfalz (1 %). Die Praxiserfahrung als Podologe lag bei 25,2 % der Befragten unter 5 Jahren, bei 24,3 % zwischen 5 und 10 Jahren, bei 41,1 % zwischen 11 und 20 Jahren und bei 9,4 % über 20 Jahren.

Zusammenarbeit mit überweisenden Ärzten

Eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit den zuweisenden Ärzten wurde von 95,2 % der Podologen gewünscht. Als Maßnahmen für eine verbesserte Zusammenarbeit mit Ärzten schlugen 94,7 % der Befragten eine Schulung der Ärzte über die Wichtigkeit der podologischen Leistungen und der Erstattungsfähigkeit vor, 42,6 % befürworteten einen Befundbogen zur DSPN, welcher direkt nach der Behandlung an den überweisenden Arzt übermittelt wird, 12,8 % wünschten sich einen regelmäßigen telefonischen Austausch und 35,1 % sprachen sich für weitere Maßnahmen aus. Die Letzteren umfassten:

  1. Vorschläge zum Austausch wie regelmäßige Treffen bzw. Arbeitskreise von Patienten/Ärzten/Podologen mit Fortbildungen über Diabetes und Neuropathie, einschließlich Falldiskussion und Austausch von Bildmaterial;
  2. Schulungsmaßnahmen wie Schulung der Ärzte über Neuropathie und diabetischen Fuß einschließlich Charcot-Fuß und die korrekte Handhabung der Heilmittelverordnungen sowie Schulung der Podologen in neurologischen Ambulanzen;
  3. Maßnahmen zur rechtzeitigen Überweisung der Patienten entgegen der vielfach unter den Ärzten immer noch vorherrschenden Meinung, dass lediglich solche mit insulinbehandeltem Diabetes oder mit manifesten Fußulzera einer podologischen Behandlung bedürfen;
  4. Vorschläge zur Verbesserung der Kommunikation wie Online-Kontaktmöglichkeiten und telefonische Erreichbarkeit;
  5. Einrichten eines Feedback-Systems, bei dem Ärzte Rückmeldungen zum Therapieerfolg bzw. Verbesserungspotenzial in der Zusammenarbeit geben können;
  6. Maßnahmen zur Verbesserung der Wertschätzung der Podologentätigkeit;
  7. Überprüfung der Versorgungsstrukturen mit Verlagerung weg von bloßer Symptombehandlung hin zu präventiv- und kausaltherapeutischen Maßnahmen.

Befundübermittlung an überweisende Ärzte

Die Häufigkeiten der verschiedenen Wege der Übermittlung der Befunde bezüglich DSPN an den behandelnden Arzt durch die Podologen zeigt Abbildung 1. In der Mehrzahl der Fälle (57,3 %) wurde die Information durch den Patienten kommuniziert, während lediglich 6,3 % der Befragten einen gesonderten strukturierten Befundbericht zur DSPN übermittelten. Einige der Befragten wandten ein, dass Therapieberichte nicht vergütet werden und dass diese seitens der Ärzte nicht erwünscht seien bzw. dass kein Interesse daran bestehe. Andere vermerkten, sie würden den Arzt nur dann informieren, wenn Gefahr durch ein Ulkus bestehe und die Behandlung durch den Arzt weitergeführt werden müsse oder bei spezifischen Fragen. Schließlich wurde auch angemerkt, der Patient käme ja aufgrund der Neuropathie, sodass der Arzt die Diagnose somit bereits gestellt habe.

Abb. 1: Häufigkeiten der verschiedenen Wege der Übermittlung neuropathischer Befunde an den überweisenden Arzt.

Rund 17 % der Befragten gaben an, neuropathische Befunde nicht zu übermitteln. Die Hauptgründe hierfür und deren Häufigkeitsverteilung zeigt Abbildung 2. Die Mehrzahl der Befragten aus dieser Gruppe ging davon aus, dass von ärztlicher Seite hierfür zu wenig Interesse bestünde.

Abb. 2: Gründe und deren Häufigkeiten von Befragten, die eine Übermittlung neuropathischer Befunde als nicht nötig/nicht möglich/nicht erwünscht empfanden (n = 16).

Nutzung von Service-Materialien auf der NAI-Website

Auf die Frage, ob bereits Service-Materialien, die auf der NAI-Website angeboten werden, genutzt werden, antworteten lediglich 13,8 % der Befragten mit "ja", wobei Patienteninformationen, der Befundbogen Fuß-Check und der klinische Untersuchungsbogen DSPN genannt wurden. Die Frage, ob eine Vorlage zur Dokumentation neuropathischer Befunde hilfreich sei (z. B. in Form eines detaillierten Befundbogens) beantworteten 76,1 % der Befragten mit "ja". Hingegen gaben einige der Befragten an, sie hätten Vorlagen durch das Podologieprogramm, während andere berichteten, sie würden ihren eigenen Befundbogen bzw. ihre eigene Checkliste benutzen.

Auf die Frage, ob ein detaillierter DSPN-Befundbogen (siehe NAI-Seite) adäquat sei, antworteten 47,6 % der Befragten mit "ja", während 42,9 % eine gekürzte Form mit stichwortartiger Information bevorzugten und 9,5 % eine generelle Änderung wünschten.

Wünsche für neue Service-Materialien

Der Wunsch nach neuen Service-Materialien wurde von 50,6 % der Befragten geäußert, wobei allgemein kurze und leicht verständliche Informationsbroschüren für Patienten genannt wurden. Aufklärungsmaterial über die DSPN für Patienten wurde von 90,1 % der Befragten gewünscht. Die überwiegende Mehrheit der Befragten, die neue Aufklärungsmaterialien für ihre Patienten wünschten, befürwortete Inhalte zur DSPN und zum diabetischen Fußsyndrom (DFS) einschließlich Fußpflege (Abbildung 3). Die überwiegende Mehrheit der Befragten (91,7 %) favorisierte neue Aufklärungsmaterialien für ihre Patienten in Form von Informationsbroschüren zur Abgabe (Abbildung 4).

Abb 3: Wünsche der Podologen zu Inhalten von neuen Aufklärungsmaterialien für ihre Patienten.

Abb. 4: Wünsche der Podologen zur Frage, in welcher Form die neuen Aufklärungsmaterialien ihren Patienten angeboten werden sollen.

Diskussion

Im vorangegangenen Survey 2 der NAI konnten wir zeigen, dass drei Viertel der Podologiepraxen jeden Patienten mindestens einmal auf DSPN untersuchen und weitere 21 % mindestens bei Verdacht, während 46 % regelmäßige Nachuntersuchungen durchführen. Darüber hinaus stellten 24 % bzw. 18 % der Podologen häufig bzw. sehr häufig (≥ 6 Fälle/Monat) zuvor nicht diagnostizierte DSPN und Fußulzera fest.

Podologen tragen aktiv zur Gesundheitsaufklärung bei, indem sie ihre Patienten häufig über eine verbesserte Gesundheitsversorgung beraten [Ziegler 2024]. Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zeigen, dass 95 % der befragten Podologen eine Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit mit den zuweisenden Ärzten wünschen, die u. a. durch entsprechende Schulung der Ärzte über die Wichtigkeit der podologischen Leistungen und der Erstattungsfähigkeit erreicht werden könnte. Darüber hinaus ergab die Umfrage einen Bedarf an standardisierter Befunderstellung und -kommunikation sowie an Service-Material für die Podologen und Aufklärungsmaterial über die DSPN für ihre Patienten.

Nach unserer Kenntnis ist unsere Umfrage zur Zusammenarbeit mit Ärzten aus Sicht der Podologen die Erste ihrer Art. In einer Umfrage aus der Sicht von 40 Fachärzten zeigten 77 % der Befragten ein Interesse für eine Zusammenarbeit im medizinischen Netzwerk zum Thema diabetisches Fußsyndrom und 63 % wünschten einen Daten- und Informationsaustausch. Auch wären Ärzte durchaus bereit, verschiedene Bereiche, die derzeit (noch) nicht zum Tätigkeitsfeld der Podologie gehören, wie z. B. das Wundmanagement, bei entsprechender Qualifikation an die Podologen zu delegieren. Als Hürden für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Podologen und Ärzten wurden ärztlicherseits u. a. angeführt: festgefahrene Hierarchien, Zeitmangel, grundsätzliches Fehlen von erlerntem Kooperationswissen, unklare Definitionen von Begriffen wie medizinische Fußpflege, fehlende Kenntnisse über den podologischen Tätigkeitsbereich sowie Mangel an evidenzbasierten Daten über podologische Behandlungsmaßnahmen in Deutschland. Hürden seitens der Podologen seien z. B. eine Vernachlässigung des Therapieberichtes, mangelnde Wahrnehmung der Podologie als Therapieberuf auch in den eigenen Reihen und ein recht niedriges Niveau der Podologie-Ausbildung in Deutschland im europäischen Vergleich [Karl-Greubel 2022]. In Deutschland ist die Ausbildung zum Podologen primär berufsfachschulisch organisiert, während sie in vielen anderen europäischen Ländern bereits auf akademischem Niveau (Bachelor) stattfindet. So liegt die Ausbildungsdauer in Deutschland bei zwei Jahren in Vollzeit (oder bis zu vier Jahren in Teilzeit), während im europäischen Vergleich in der Regel drei bis vier Jahre für einen Bachelor-Abschluss erforderlich sind. Eine Intensivierung der bereits zögerlich begonnenen Akademisierung der Podologie in Deutschland ist daher wünschenswert [Karl-Greubel 2022].

Ein systematisches Review identifizierte eine Reihe von Hindernissen für den Zugang zu Fußpflegeangeboten für Menschen mit Diabetes. Zu den vorherrschenden Themen aus Patientensicht gehörten mangelndes Verständnis, sozioökonomische Faktoren und mangelndes Behandlungsangebot, während aus Sicht der Behandler u. a. eine unzureichende interdisziplinäre Kommunikation sowie fehlende Ressourcen und mangelndes Wissen der Behandler im Vordergrund standen [McPherson 2022]. Ärzte gaben an, dass verspätete Überweisungen an spezialisierte Diabetes-Fußkliniken oder Podologen ein wichtiges Hindernis für Patienten darstellten. Weitere Hindernisse waren eine unzureichende Personalausstattung, einschließlich Podologen mit spezifischen Kenntnissen und Fähigkeiten in der Fußpflege bei Diabetes [McPherson 2022]. In Großbritannien lag die Personalausstattung mit Podologen pro 100 Menschen mit Diabetes im Krankenhaus im Mittel nahezu um den Faktor Fünf niedriger als für eine optimale Versorgung erforderlich wäre [Dashora 2023].

Die aktuelle Leitlinie der International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF) [Bus 2024] richtet sich an medizinische Fachdisziplinen, die Patienten mit diabetesbedingten Fußerkrankungen behandeln. Da diese Interventionsmaßnahmen innerhalb spezifischer gesundheitsökonomischer und organisatorischer Systemstrukturen stattfinden, ist von einer maßgeblichen Strukturabhängigkeit der klinischen Outcomes auszugehen, obgleich hierzu eine direkte Evidenz fehlt. Ein indirekter Beleg für diesen Systemeffekt zeigt sich jedoch in den Niederlanden, wo durch einen gezielten Ausbau der Podologie und von multidisziplinären Teams ein Rückgang der Amputationen an unteren Extremitäten erreicht werden konnte [van Houtum 2004].

Studien über einen Zeitraum von zwei Jahren in den USA zeigen, dass die Einbeziehung von Podologen in einen multidisziplinären Ansatz zur Behandlung des diabetischen Fußsyndroms zu einem Rückgang der Amputationen um 64 % geführt hat [Sloan 2010]. Andererseits führte die Einstellung der podologischen Versorgung durch die öffentliche und bundesstaatliche Krankenversicherung Medicare für über 65-jährige oder Bürger mit Behinderung in den USA zu einem Anstieg der Krankenhausaufenthalte aufgrund von diabetesbedingten Fußerkrankungen [Skrepnek 2014]. Im Südwesten Englands führte die Einführung einer effektiven multidisziplinären Fußversorgung innerhalb von zwei Jahren zu einer signifikanten Verringerung der Inzidenz von Major-Amputationen [Paisey 2018]. Folglich wurde vorgeschlagen, allen Menschen mit Diabetes einen raschen Zugang zu einem multidisziplinären Diabetes-Fuß-Team zur Verfügung zu stellen [Pankhurst 2018] und gezeigt, dass eine frühzeitige Überweisung zur multidisziplinären Versorgung eine Erstlinientherapie für das DFS darstellen sollte [Armstrong 2023]. Darüber hinaus könnte der Einsatz von Telemedizin in der Kooperation zwischen Podologen und Ärzten zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit DFS beitragen [Zhuang 2025]. Auch Leitlinien für die beste klinische Praxis und Behandlungsstrategien bei Patienten mit DSPN, die speziell von Podologen entwickelt wurden, könnten in ihrer täglichen Praxis hilfreich sein. Solche konsensbasierten Empfehlungen wurden kürzlich von australischen Podologen entwickelt, z. B. für Patienten mit Chemotherapie-induzierter peripherer Neuropathie (CIPN) [Dars 2023].

Eine Einschränkung dieser Arbeit ist die Möglichkeit eines Selektionsbias bei den teilnehmenden Podologen. Die niedrige Rücklaufquote der Umfrage könnte eine weitere Quelle für Bias darstellen, da möglicherweise nur die motiviertesten Podologen und diejenigen mit besonderem Interesse an DSPN teilgenommen haben. Bei früheren Umfragen zur DSPN wurde ebenfalls über niedrige Rücklaufquoten berichtet [Malik 2017]. Andererseits wurde darauf hingewiesen, dass keine Quote automatisch auf eine größere oder geringere Genauigkeit und Nützlichkeit hindeutet [Morton 2012]. Weitere potenzielle Quellen von Bias sind der Mangel an Informationen über mögliche Unterschiede in der Praxis von Podologen in den verschiedenen Regionen und die Dauer ihrer Berufserfahrung.

Zusammenfassend weisen unsere Daten darauf hin, dass aus Sicht der Podologen ein hoher Bedarf an strukturierter interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen ihrer Berufsgruppe und den zuweisenden Ärzten besteht. Systemische Barrieren wie fehlende Vergütung, mangelnde Wertschätzung und Kenntnis der podologischen Tätigkeitsfelder sowie bürokratische Hürden erschweren eine effektive Zusammenarbeit und Kommunikation. Darüber hinaus ergab die Umfrage einen Bedarf an standardisierter Befunderstellung und -kommunikation sowie an Service-Material für die Podologen und Aufklärungsmaterial über die DSPN für ihre Patienten. Für die NAI ergibt sich damit ein Potenzial sowohl zur Bekanntmachung bestehender als auch für die weitere Entwicklung und Implementierung praxisnaher Service-Materialien zur Unterstützung der Früherkennung der DSPN und Patientenaufklärung. Die Inanspruchnahme der Podologenleistungen ist adäquat zu fördern, um die Lücke zwischen der medizinischen Notwendigkeit und den derzeitigen Defiziten in der klinischen Praxis bei der Behandlung des DFS zu schließen.

Für die Praxis
  • Aus Sicht der Podologen besteht ein hoher Bedarf an strukturierter, interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen ihrer Berufsgruppe und den zuweisenden Ärzten sowie an Aufklärungsmaterial über die DSPN für Patienten.
  • Systemische Barrieren wie fehlende Vergütung, mangelnde Wertschätzung und Kenntnis der podologischen Tätigkeitsfelder sowie bürokratische Hürden erschweren eine effektive Zusammenarbeit und Kommunikation.
  • Die interdisziplinäre Kooperation von Podologen und Ärzten einschließlich Wertschätzung der podologischen Tätigkeit ist angesichts der hohen Krankheitslast und Kosten für Menschen mit diabetischem Fußsyndrom dringend verbesserungswürdig.


→Literatur
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Korrespondenzadresse:
© D. Ziegler
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dan Ziegler, FRCPE
Institut für Klinische Diabetologie, Deutsches Diabetes-Zentrum
Auf’m Hennekamp 65, 40225 Düsseldorf

Manuskript eingegangen: 03.02.2026
Manuskript angenommen: 23.03.2026

Weitere Autoren:
S. Burow: Deutscher Verband für Podologie (ZFD), Kassel
R. Landgraf: Deutsche Diabetes Stiftung, Düsseldorf
R. Lobmann: Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie, Klinikum Stuttgart, Stuttgart
K. Rett: Adipositas Stiftung Deutschland, Bad Nauheim
O. Schnell: Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München, Neuherberg



Interessenkonflikt:
DZ, RL, KR und OS sind Mitglieder des Beirats der Nationalen Aufklärungsinitiative (NAI) und erhielten Honorare für Vorträge von Wörwag Pharma. DZ erhielt Forschungszuschüsse von Wörwag Pharma. RLa ist ebenfalls Mitglied des Beirats der NAI und erhielt einen Zuschuss für Präventionsmaßnahmen für die Deutsche Diabetes Stiftung.



Danksagungen:
Die Nationale Aufklärungsinitiative (NAI) wird von Wörwag Pharma, Böblingen, finanziert und von der Deutschen Diabetes Stiftung unterstützt. Besonderer Dank gilt Frau Dr. Caroline Stiller für ihre tatkräftige Hilfe bei der Vorbereitung und Durchführung der Umfrage.

DZ verfasste das Manuskript. DZ, SB, RLa, RL, KR und OS recherchierten Daten, trugen zur Diskussion bei und editierten das Manuskript. DZ ist der Garant dieser Arbeit und hatte uneingeschränkten Zugang zu allen Daten der Studie und übernimmt die Verantwortung für die Integrität der Daten und die Genauigkeit der Datenanalyse.


Erschienen in: Diabetes, Stoffwechsel und Herz, 2026; 35 (4) Seite 209-214