Der Markt für CGM und AID beschleunigt: neue Sensoren, Patchpumpen, Apps und bessere Erstattung erhöhen Verfügbarkeit und Wahlfreiheit. Gleichzeitig wachsen Anforderungen an Sicherheit, Akzeptanz und Schulung – die Diabetologie steht vor komplexer Betreuung.

In den letzten Monaten hat sich der Markt für Glukosemesstechnik und Insulinpumpen mit automatisierter Insulindosierung (AID) in Deutschland weiter deutlich beschleunigt – getrieben von Produkt-Neueinführungen, Software-Updates, Interoperabilität, vielseitiger Forschung und schrittweisen Erstattungsentscheidungen (siehe Kasten).

Wenngleich dies einen hohen Nutzen mit sich bringt, eröffnen sich auch alte und neue Herausforderungen. So müssen Sicherheit sowie Mess- und Abgabegenauigkeit der Systeme gewährleistet werden, Systeme müssen von Anwender:innen akzeptiert werden, sollen Diabetes-Disstress reduzieren und damit auch Compliance und Zufriedenheit erhöhen. Auch für beratende und schulende Berufe in der Diabetologe wachsen die Herausforderungen. Es kann schwerfallen, bei dieser rasanten Entwicklung Schritt zu halten und den Überblick über die Vielzahl der Systeme zu behalten. Gleichzeitig bedeutet jede genehmigte Kostenübernahme auch Schulungs- und Betreuungsaufwand.

Wir machen einen kurzen Ausflug in die zuletzt stattgefundenen Entwicklungen in Deutschland und wagen erneut einen Blick in die Zukunft orientiert am internationalen Geschehen.

CGM-Systeme

Auf der CGM-Seite bleibt der FreeStyle Libre 3 (Plus) Glukosesensor von Abbott GmbH fest etabliert. Die Firma kommuniziert weiterhin Verordnungs- und Kostenübernahmeregeln für Deutschland und stellt Listen mit Krankenkassen-Informationen [1] bereit, sodass das System in vielen Fällen über gesetzliche und private Kassen versorgbar ist. Zudem wird mittlerweile ein Rezept-Generator angeboten [2]. Gleichzeitig ist der Übergang zu der "Plus"-Variante mit 15 Tagen Tragedauer im vollen Gange. International wurde bereits angekündigt, dass es zukünftig einen dualen Sensor geben solle, der Glukose und Ketone messen kann.

Parallel baut auch Dexcom, Inc. seine Präsenz aus. Zuletzt verkündete Dexcom Fortschritte bei Zugängen zu Kostenerstattung (u. a. Pilot-/Vertragslösungen mit Kassen) [3, 4] sowie weltweite Marktzugänge für Geräte wie das DexcomTM G7, was die Verfügbarkeit von CGM-Systemen in Deutschland und für bestimmte Patientengruppen verbessert hat. Diese Erstattungs- und Versorgungsvereinbarungen sind wichtig, weil sie CGM-Nutzung auch bei mehr Personen mit T2DM ermöglicht. Zudem ist es mittlerweile möglich, den DexcomTM G7-Sensor vollständig über die Apple Watch zu managen und Glukosewerte zu empfangen. Auch können die Daten aus dem NovoPen 6 in die DexcomTM G7 App übertragen werden.

Roche Diagnostics AG erlebte dieses Jahr ein Comeback auf dem Markt der Diabetestechnologie. So steht in Deutschland mittlerweile auch der Glukosesensor Accu-ChekTM SmartGuideTM zu Verfügung. Das System bietet 14 Tage Tragedauer, kann einfach gesetzt und schnell initialisiert werden, verfügt über individualisierbare Alarme und eine neuartige Prädiktion des Glukoseverlaufes, die mit einer ergänzenden Smartphone-App bereitgestellt wird. Die Daten können über die cloudbasierte Diabetesmanagement-Software Accu-Chek® Care eingesehen und ausgewertet werden.

Daneben steht seit 2025 in Deutschland auch der DiaExpert-Sensor zur Verfügung. Die technischen Daten vereinen Vorteile verschiedener etablierter Systeme: einfache Insertion, 60 Minuten Aufwärmphase, 15 Tage Tragedauer, Messfrequenz von einer Minute, individualisierbare Alarme, wasserdicht (30 Minuten bis zwei Meter Tiefe), keine Kalibrierung erforderlich.

Weiterhin erwartet wird das GlucoMen® iCan der Firma A. Menarini Diagnostics Division der Berlin-Chemie AG mit ebenfalls 15 Tagen Tragedauer. Es verwendet das Enzym Glukosedehydrogenase, das resistent gegenüber Interferenzen wie Acetaminophen, Ascorbinsäure und Sauerstoff ist. Andere Sensoren wurden bereits in Deutschland eingeführt – z.B. der Glukosesensor Suga Sense der Firma ETH Meditec GmbH mit 15 Tagen Tragedauer sowie mehrfach verwendbaren Komponenten (Transmitter und Setzhilfe). Die Sensoren von Sibionics/SiBio, die Glukose (GS3) oder Ketone (KS3) kontinuierlich messen können, haben bisher zwar eine CE-Kennzeichnung, jedoch keine Zulassung als Medizinprodukt, und können in Deutschland noch nicht verordnet werden. Aktuell entwickle der Hersteller ein weiteres System, welches beide Parameter im Gewebe mit nur einem Sensor messen könne.

Spannend sind auch die Entwicklungen des Eversense® mitzuverfolgen (Vertrieb in Deutschland aktuell über Ascensia Diabetes Care Deutschland GmbH). Seit einiger Zeit schon ist die deutsche Markteinführung des Eversense® 356 mit einer – wie der Name vermuten lässt – Tragedauer von einem Jahr angekündigt. In den USA ist er bereits seit September 2025 zugelassen (Markteinführung Oktober 2024). Zu erwarten sind Kooperationen mit Insulinpumpenherstellern. Internationale Ankündigungen deuten auf eine zukünftige Kompatibilität mit der Insulinpumpe twiistTM (Sequel Med Tech, LLC) hin, ein open-source AID-System, welches bereits von der FDA zugelassen ist. Die iiSureTM-Technologie der Insulinpumpe sollte Blockaden des Insulinflusses schneller erkennen als andere Systeme, was Entgleisungen reduzieren solle. Ob und wann das System eine CE-Kennzeichnung und Zulassung in Deutschland als Medizinprodukt erhält, ist nicht bekannt. Ebenso wurden noch keine konkreten Daten bzgl. der Einführung des Eversense® 365 veröffentlicht.

International tut sich auf dem CGM-Markt sehr viel. Man werfe nur einmal einen Blick auf die Webseite der Informationsplattform Diabetotec (https://www.diabetotech.com/). Auf dem Blog der Webseite wurde im Oktober 2025 eine Übersicht mit 53 (!) Glukosesensoren [5] veröffentlich – teils mit unterschiedlichen Indikationen. Bei der Vielzahl an Sensoren, die in den deutschen Markt eindringen (könnten), ist es entscheidend, dass gewisse Qualitätstandards eingehalten werden, die die Sicherheit der Diabetestherapie gewährleisten. Auf europäischer Ebene wurde hierfür das "eCGM" vorgeschlagen [6]. Eine deutsche Zusammenfassung kann auf dem diatec weekly Blog nachgesehen werden [7].

Nicht-invasive Messmethoden

Diese sind bereits seit Jahren, vielleicht sogar seit Jahrzehnten Bestandteil der Forschung. Und dennoch konnte bisher kein Hersteller ein System auf den Markt bringen, dass sowohl valide Daten liefert, wie auch kostengünstig in Form eines kleinen Gerätes oder einer Uhr/eines Rings produziert werden kann. Bei der Messung im Schweiß kommt es zum Teil zu einer großen zeitlichen Verzögerung. Auch könnten Schwankungen der Kaliumkonzentration im Schweiß das Messergebnis beeinflussen. Geräte, welche die Glukosekonzentration über die Atemluft ermitteln, operieren bisher ebenfalls noch nicht ausreichend valide.

Sogar ein deutsches Unternehmen forscht aktuell an nicht-invasiver Messtechnik, die auf der Spektroskopie basiert. Die Firma DiaMonTech AG entwickelt aktuell ein System, welches den Glukosegehalt im Blut ermittelt, indem ein Laser Licht in das Medium wirft und damit Glukosemoleküle erwärmt. Über die Änderung der Temperatur könnten Rückschlüsse über den Glukosegehalt gezogen werden. In Form eines größeren Gerätes (D-Base) konnten hierbei bereits Erfolge erzielt werden. Ein handliches Gerät für Anwender:innen, das D-Pocket, befindet sich aktuell noch in der Entwicklung [6].

AID-Systeme

Was bisher geschah

Bei AID-Systemen gab es marktrelevante Schritte. Medtronic GmbH hat das MiniMedTM-780G weiter international ausgerollt und kommuniziert Produktinformationen und Erstattungs-/Zugangsoptionen. Anwender:innen in Deutschland werden – falls gewünscht – schrittweise von GuardianTM 4 auf Simplera SyncTM umgestellt, sofern die Lieferfähigkeit dies zulässt.

Die Firma mylife Diabetes Care hat mit der YpsoPumpTM in diesem Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht. Schon lange wurde die Einführung von mylifeTM CamAPS FX für iOS (iPhone) erwartet. Nach einer Pilotphase im März 2025 in Schweden wurde die App für iOS im Mai 2025 in auch in Deutschland sowie Dänemark, Finnland, Irland, Luxemburg, Norwegen, der Schweiz sowie im Vereinigten Königreich eingeführt.

Insulet Corporation hat sein Ziel, Omnipod® 5 in weiteren europäischen Ländern verfügbar zu machen, weiter vorangetrieben. Bisher steht das System in Deutschland mit den beiden Sensoren DexcomTM G6 und G7 zur Verfügung, eine Einbindung von Abbott FreeStyle Libre 3 wird von Anwender:innen jedoch stark gewünscht und kann möglicherweise erwartet werden. Auch eine Steuerung mittels App wird sich seitens Anwender:innen gewünscht und ist in den USA bereits verfügbar – rein technisch ist dies also möglich. In Deutschland steht diese Funktion bisher nicht zur Verfügung.

Hingegen hat Tandem® Diabetes Care angekündigt, dass die App-Steuerung für die Insulinpumpe t:slim X2TM verfügbar sein wird. Die Einführung wird zum Ende des vierten Quartals 2025 erwartet. Zudem wurden Daten einer Studie veröffentlicht, die dabei helfen sollen, die Stoffwechseleinstellung zu verbessern, indem mit einer Anpassung der Therapieparameter der Algorithmus z.B. aggressiver eingestellt werden kann. [9]

Der Algorithmus DBLG1 (Diabeloop® Generation 1) ist in Deutschland aktuell mit den Insulinpumpen Kaleido (ViCentra B.V.) und neuerdings auch mit der Dana-i (IME-DC GmbH) verfügbar [10].

Was die Zukunft bringt

In nächster Zeit kann mit einer Reihe relevanter Verschiebungen in der deutschen Diabetestechnologie-Versorgung gerechnet werden – nicht nur im Sinne einzelner Produktstarts und -updates, sondern auch durch schrittweise bessere Integrations-, Zulassung- und Erstattungsbedingungen.

Neue internationale Systeme und Algorithmen treten vermutlich auch lokal in Erscheinung. Anbieter erweitern ihre AID-Algorithmen und Vertriebskooperationen in Deutschland, sodass Anwender:innen in den kommenden Monaten vermehrt kombinierbare "Ökosysteme" vorfinden werden. Das schafft Konkurrenz, mehr Wahlmöglichkeiten, aber auch mehr Beratungsbedarf durch die Berufe der Diabetesedukation, da es Unterschiede in Kompatibilität, Bedienkonzepten, Alarmeinstellungen und Voraussetzungen für die Programmierung der Algorithmen gibt.

Was Diabetesberater:innen jetzt tun können

1. Nutzen Sie die großen Diabetes Kongresse der DDG e.V. sowie die Diatec, um sich direkt auf der Industrieausstellung bei den Herstellern über aktuelle und anstehende Neuerungen zu informieren.

2. Suchen Sie den Kontakt zu Ihrem jeweiligen Außendienst, bauen diesen ggf. neu auf, falls bisher kein Kontakt bestand. Der Außendienst einiger Firmen befindet sich in Deutschland noch im Aufbau. Es kann sich daher lohnen, gelegentlich nachzuhaken, ob es eine:n Ansprechpartner:in für Ihre Region gibt.

3. Besuchen Sie Seminare, die Diabetestechnologie behandeln, z.B. das Seminar "VDBD Zertifizierter Insulinpumpen- und AID-Trainer" und/oder die Video-Fortbildungsreihe zu AID-Systemen der VDBD AKADEMIE (www.vdbd-akademie.de).

4. Prüfen Sie regelmäßig Krankenkassenlisten (Erstattungsfähigkeit) und Kompatibilitätslisten der Hersteller bzw. Anbieter.

5. Verwenden Sie bereits verfügbare Informationen wie z.B. die Steckbriefe der AGDT zu AID-Systemen oder das Panther Tool (https://diabetes-technologie.de/steckbriefe-fuer-systeme-zur-automatisierten-insulin-dosierung-aid/).

6. Abonnieren Sie relevante Newsletter wie z.B. die Newsletter der Anbieter von CGM- und Insulinpumpensystemen oder übergreifende Newsletter wie diatec weekly (https://diatec-weekly.de/newsletter/).

Forschung schreitet voran

Auch die Forschung bi-hormonelle und FCL-Systeme betreffend schreitet voran. Bisher noch müssen Kohlenhydrate – im Optimalfall möglichst genau – eingegeben werden, damit Algorithmen entsprechend reagieren und eine postprandiale Hyperglykämie vermeiden können. Zukünftige Systeme können hier zügiger reagieren, womit die Eingabe von Kohlenhydraten teilweise an Relevanz verliert. Bisher ist das jedoch noch Zukunftsmusik. Zudem werden zunehmend Daten publiziert, die die Wirksamkeit von Insulinpumpen und AID-Systemen bei T2DM bestätigen.

Medtronic GmbH präsentierte auf dem ADA 2025 die größte Real-world-Datensammlung (n = 374.548) zum MiniMedTM 780G-System. Auch wurden Daten vorgestellt von 42 649 Menschen mit T1DM und 6 596 mit T2DM, die in einem Sensorzeitraum > 10 Tage keine Bolusgaben tätigten – und dennoch gute Ergebnisse hinsichtlich der TIR erreichten (> 71 %). Die Daten sind bisher nicht peer-reviewed und publiziert, lassen jedoch vermuten, dass AID-Systeme zukünftig so intelligent und schnell operieren, dass Bolusgaben an Relevanz verlieren [11]. Medtronic habe es als Ziel, einen solchen Algorithmus zu entwickeln (SmartGuardTM Advance). Aktuell sollte jedoch keineswegs geschult werden, die Bolusgabe zu vernachlässigen! Zudem arbeite Medtronic an einer App, die mit allen Devices aus der "Medtronic-Familie" gekoppelt werden kann. Dies beinhaltet auch einen für Medtronic produzierten Glukosesensor der Firma Abbott (MinimedTM Instinct) sowie eine neue Schlauchpumpe der 800er-Serie (MinimedTM Flex) und eine neue Medtronic Patch-Pumpe (MinimedTM Fit). Von mylife Diabetes Care bzgl. der YpsoPumpTM hört man, dass die Integration des DexcomTM G7 Glukosesensors in den Algorithmus geplant sei. Zudem ist von der Entwicklung einer Patch-Pumpe zu lesen.

Neuste Forschungen und Entwicklungen
Die neusten Forschungen und Entwicklungen beziehen sich kurz zusammengefasst insbesondere auf folgende Bereiche:
  • schlauchlose Insulinpumpensysteme
  • mehr Flexibilität mit AID-Systemen durch Interoperabilität zwischen Insulinpumpen und Glukosesensoren
  • Fully-closed-loop- Systeme (FCL) mit vollautomatischem, geschlossenem Regelkreis
  • bi-hormonelle AID- und FCL-Systeme
  • AID-Systeme bei Diabetes mellitus Typ 2 (T2DM)
  • kontinuierliche Messmethoden für Ketone sowie duale Messsysteme für Glukose und Ketone
  • nicht-invasive Messtechniken
  • künstliche Intelligenz (KI)

Insulet veröffentlichte für das AID-System Omnipod 5 ebenfalls neue real-world Daten auf dem ADA 2025 für die Anwendung bei T2DM (n=23 664) [12]. Menschen mit T2DM, die als Glukoseziel 110 mg/dl einstellten, jedoch weniger als einmal am Tag einen Bolus abgaben, erreichten dennoch eine TIR von 62 % (37 % erreichten > 70 % TIR). Dies bestätigt eine erfolgreiche Anwendung des Systems bei T2DM und unterstreicht gleichzeitig auch noch einmal den Erfolg trotz ungenauer oder fehlender Bolusgaben. In einer weiteren Studie wurde die Anwendung von U200-Insulin im Omnipod 5 (außerhalb der Zulassung!) als praktikable Option für Menschen mit hohem Insulinbedarf untersucht [13]. Chu et al. Haben hierfür sogar praktische Empfehlungen veröffentlicht [14]. In UK und den Niederlanden kann Omnipod 5 auch mit dem Glukosesensor FreeStyle Libre 2 genutzt werden. In den USA ist eine Steuerung mittels Smartphone App möglich. Entsprechende Entwicklungen können daher auch für Deutschland angenommen werden, wurden bisher aber nicht offiziell angekündigt.

In den USA sind von dem Hersteller Tandem Diabetes Care zwei verschiedene Insulinpumpenmodelle erhältlich: die hier bekannte t:slim X2TM sowie die Tandem Mobi, eine Mini-Pumpe mit 200 IE-Reservoir, Smartphone-Steuerung und Funktion zum kabellosen Laden. Die internationale Markteinführung ist aktuell auf 2026 datiert. Ebenso in den USA ist die Integration des FreeStyle Libre 3 Plus in den t:slim X2TM-Algorithmus seit Juni 2025 erfolgt und sei auch international geplant. Zudem sei die Einführung eines 7-Tage-Infusionsset geplant.

Was Insulinpumpen wie Kaleido (ViCentra B.V.) und Dana-i (IME-DC GmbH) betrifft, so wurde für den Algorithmus DBLG1 (Diabeloop® Generation 1) offiziell ein Update auf DBLG2 angekündigt [15]. Dieser soll eine verbesserte App-Navigation und Interoperabilität (Dexcom TMG7) beinhalten sowie auf iOS-Betriebssystemen laufen. Seit August 2025 besteht bereits die CE-Zertifizierung für den neuen Algorithmus. Als nächstes folgen Pilotprojekte in Deutschland und den Niederlanden. Die offizielle Markteinführung in Deutschland wird voraussichtlich jedoch erst 2027 erfolgen. Auch ist von der Integration weiterer Insulinpumpen zu lesen, so z.B. der schlankeren Kaleido 2 oder einer Insulinpumpe der Firma Terumo Corporation.

Medtrum Technologies Inc. hat in diesem Jahr ebenfalls eine deutliche Entwicklung gemacht und konnte nun das TouchCare® Nano AID-System einführen. Die einzelnen Komponenten waren bereits verfügbar, konnten bisher jedoch nicht miteinander kommunizieren, um die basale Insulindosierung zu automatisieren. Der Algorithmus nennt sich APGO und umfasst die TouchCare® Nano Pump (schlauchlos) mit 200- oder 300-IE-Reservoir sowie das TouchCare® Nano CGM. Die Steuerung ist mittels App (iOS und Android) oder über ein Handheld möglich. Spannend ist, dass dieser Algorithmus KI-basiert arbeitet. Zukünftig könnte das in der EU Probleme bereiten, sollten bestimmte Vorschriften zu Transparenz verfasst werden. Zudem existieren bisher wenig klinische Daten verglichen mit anderen Systemen. Solche Studien seien jedoch in Planung.

Über die beiden bi-hormonellen FCL-Systeme iLet Bionic Pancreas der Firma Beta Bionics und Inreda AP®6 der Firma Inreda® Diabetic B.V. hatten wir bereits Anfang des Jahres berichtet. Bisher sind hier keine neuen Ankündigungen zu verzeichnen. Ob und wann die Systeme den deutschen Markt erreichen und verordnet werden können, ist noch nicht bekannt.

Fazit und Ausblick

  • Marktführer in Deutschland bleiben Firmen wie Medtronic GmbH, mylife Diabetes Care, Insulet Corporation und Tandem® Diabetes Care, doch zahlreiche neue Systeme gewinnen an Bedeutung.
  • Es sind Trends in der Branche der Diabetestechnologie wahrzunehmen: schlauchlose Insulinpumpen, Smartphone-Steuerung, Interoperabilität mit einer Mehrzahl an Glukosesensoren sowie Algorithmen, die ganz ohne oder ohne genaue Eingabe von Kohlenhydraten zur Berechnung eines Mahlzeitenbolus funktionieren.
  • Bisher gab es noch keinen Durchbruch in der Forschung nicht-invasiver Messmethoden, der eine valide und für Anwender:innen praktikable Messmethode hervorbringt.
  • Durch die Zunahme verschiedener Systeme steigt zwar der Konkurrenzdruck und Menschen mit Diabetes profitieren von einer größeren Auswahlmöglichkeit.
  • Insgesamt steigt jedoch auch der Schulungsbedarf durch die Berufe der Diabetes-Edukation: mehrere CGM-Systeme und -Generationen, unterschiedliche Insulinpumpen und AID-Algorithmen mit verschiedenen Eigenschaften und Bedienkonzepten sowie mehrere cloud-basierte Auswertungsmöglichkeiten bedeuten zusätzlichen Zeit- und Materialaufwand.

Interessenskonflikt

Referententätigkeit für die VDBD AKADEMIE sowie die FitnessAkademie Münster, Beratungs- und Vortragshonorare in den vergangenen fünf Jahren erhalten von Abbott Diabetes Care Division, AstraZeneca GmbH, Ascensia Diabetes Care Deutschland GmbH, Berlin-Chemie AG, Dexcom Deutschland GmbH, Med Info GmbH, Oviva AG, Perfood GmbH, Roche Diabetes Care Deutschland GmbH, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH.


Literatur über die Redaktion.


Autorin:
© VDBD e.V. Jonas Friedrich
Theresia Schoppe
Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) e.V.
Habersaathstr. 31, 10115 Berlin
Interessenkonflikte:
Referententätigkeit für die VDBD AKADEMIE sowie die FitnessAkademie Münster, Beratungs- und Vortragshonorare in den vergangenen fünf Jahren erhalten von Abbott Diabetes Care Division, AstraZeneca GmbH, Ascensia Diabetes Care Deutschland GmbH, Berlin-Chemie AG, Dexcom Deutschland GmbH, Med Info GmbH, Oviva AG, Perfood GmbH, Roche Diabetes Care Deutschland GmbH, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH.


Erschienen in: Diabetes-Forum, 2025; 37 (6) Seite 29-33